Montag, 15. August 2016

Capada dos Guimaraes – ein Nationalpark brennt

Rund einen Fahrtag vom letzten Jaguar entfernt soll sich eine der schönsten Landschaften Brasiliens befinden. Außerdem befindet sich auf dieser gelogisch alten Hochebene der geographische Mittelpunkt Südamerikas. Gute Gründe hinzufahren – es erwartet uns aber noch mehr. Beinahe sind wir unseren Schlafwagen los...
Schon von weitem sichtbar ist die Rauchfahne, aber dass am Straßenrand das trockene Gras und Unterholz abgebrannt wird, erstaunt uns nicht mehr. Im Hintergrund steht allerdings eine Rauchsäule, die nach mehr aussieht. Und das Schild des Nationalparks wird auch gerade verschmort.
  
Ein paar Fotos von den Flammen und dann geht’s weiter zu einem der Höhepunkte des Nationalparks, dem rund 80m hohen Brautschleierwasserfall. Hinter der Bergkuppe mit trockenem Gras und Büschen stehen die Rauchschwaden und verdunkeln zeitweise die Sonne, Feuer ist keines zu sehen. Wir lassen das Auto am Parkplatz und wandern rund 30 Minuten an den Rand der Schlucht, die Drohne stört die Idylle etwas... Die Auffaltung bricht hier hufeisenförmig ab, der blanke rote Fels bildet einen schönen Kontrast zum tiefblauen Himmel, die rotblauen Aras in der Schlucht suchen offenbar den Kompromiss.
Dazwischen fliegt eine Drohen des ARD, demnächst steht also eine Natursendung zu diesem Park ins Haus. Diese kann ja spannend werden, denn es gibt eine große Artenvielfalt, sogar Jaguare leben hier. (Nur zu sehen bekommt man sie nicht...). Außerdem gehört dieses zerklüftete Plateau zu den ältesten Erdoberflächen des Planeten. Man spricht von über 3 Milliarden Jahren, die der rote Arenit hier Zeit gehabt hat, seine heutige zerklüftete Form zu finden.
   
Da es feuchtheiß ist und es einen schattigen Gastgarten gibt, bestellen wir etwas zu trinken und genießen die Ruhe – und sehen, wie die Flammen überraschend schnell auf diese Seite des Hügels vordringen. Das gibt ein paar nette Photos! Am Rande des Abgrundes ist es dann aus mit dem Ausbreiten. 
  
Offenbar frisst sich das Feuer aber in die andere Richtung weiter! Als wir dies realisieren, eilen wir auf direktem Weg zum Parkplatz zurück. Ich bin etwas vor Gaby dort. Wir sind nun das letzte Fahrzeug hier – und eine etwa 3 Meter hohe Feuerwand erreicht gerade den Parkplatz, vielleicht 10 Meter von unserem Auto!
Fürs Beweisfoto ist nun keine Zeit, ich springe rein, Krusi startet wie gewohnt sofort, die Beifahrerin ist auch schon da und dann durch die Rauchschwaden raus auf die Hauptstraße!
   
Wäre das Auto abgebrannt, während das Feuer am Parkplatz vorbeizieht? Brennen volle Dieselkanister am Dach leicht? Wir wollen es gar nicht so genau wissen...
Während Gaby gehörigen Respekt vor den Flammen hat, bin ich von den dauernd wechselnden Feuerbildern, der Hitze, den unwiderstehlichen Knack-Tönen, der verbrannten Landschaft fasziniert. Daher verbringen wir den Nachmittag in gehöriger Distanz zum Feuer – ich wage mich aber zu Fuß immer wieder recht nahe an die Hitze heran... 
Rund um die interessanten Felsformationen der „Steinernen Stadt“ wirkt die Flammenwand besonders spannend. Teilweise verschluckt der Rauch die gesamte Landschaft, dann lässt die durchbrechende Abendsonne das roten Gestein aufleuchten. Mystisch.
Und wunderbar, dass unserem Auto heute nix passiert ist!